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GLIEDERSCHMERZ
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Zu einem allgemeinen, vorübergehenden Gliederschmerz kann es bei jeder Infektion (= ansteckende Krankheit durch Bakterien, Viren) kommen, so häufig beim grippalen Infekt.
Ein Gliederschmerz im Alter kann vielfältige Ursachen haben, so z.B. Arthrose, Rheuma, Gicht.

Ein (chronischer) Gliederschmerz, also Schmerzen in den Armen und Beinen, kommt als alleiniges bzw. vorherrschendes Krankheitszeichen nur bei wenigen Erkrankungen vor. Es sind dies hauptsächlich:

  1. Polyneuropathie (bei der Zuckerkrankheit, Alkoholmißbrauch und Vergiftungen)
  2. Raynaud-Syndrom (z.B. bei Kollagenosen (= Bindegewebserkrankungen), Ergot ismus)
  3. Polyarthrit is ((z.B. Gelenkschmerzen bei primär chronischer Polyarthrit is (PcP)

Ein Gliederschmerz im Bereich der Arme wird medizinisch als "Brachialgie", oder (oft fälschlicherweise) auch als "Armneuralgie" bezeichnet. Mögliche Ursachen sind:

  1. Die echte (idiopath ische) Neuralgie des Pl exus brachialis (= schmerzhaftes Armnervengeflecht) mit attackenförmigem Schmerzcharakter ist ein sehr seltenes Krankheitsbild.
    Die Therapie erfolgt primär medikamentös. Das Mittel der Wahl ist Carbamazepin (= ein Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei dieser Art von Ar mschmerzen wirksam). Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) wirken oft besser, sind aber deutlich teurer. Bei Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen in höherer Dosierung kann Carbamazepin oder auch Gabapentin mit Baclofen (= ein im Gehirn / Rückenmark wirkendes Mittel zur Muskelentspannung) kombiniert werden.
    Der Begriff "Armneuralg ie" ist eigentlich nur bei dieser Erkrankung angebracht.
  2. Bei der sog. Brachialgia paraesthetica nocturna bestehen schmerzhafte Mißempfindungen, besonders während der Nachtruhe, wahrscheinlich hervorgerufen durch vegetativ-vasomotor ische (= Gefäße und deren umhüllende Mus keln betreffende) Dysregulation, meist als Folge einer Fehllagerung ("Parkbanksyndrom"). Je nach Ausmaß oder Häufigkeit der Irritation oder Störung können sich durchaus längerfristige Ar mschmerzen einstellen. Therapiemöglichkeiten bei diesem Gliederschmerz siehe unten.
  3. Die Neuritis des Pl exus brachialis (neuralgische Schulteramyotrophie) (= En tzündung des Armnervengeflechts) soll allergisch entzündlicher Ursache sein (Thoden 1987). Die Schmerzen setzen plötzlich ein und imponieren als akute Zervikobrachialgie (= Nac ken-Schul ter-Ar m-Schmerzen). Nach mehreren Tagen treten Lähmungen von Schu lter- und Armmuskeln auf, Sensibilitätsstörungen (= Gefühlsstörungen) kommen höchstens in 20-30 % vor.
    Die Prognose (= Vorhersage, der Verlauf) ist günstig, die motorischen Ausfälle (= Lähmungen) bilden sich von selbst langsam (über Monate) zurück. Zur Therapie bei diesem Gliederschmerz werden Antiphlogistika (z.B. Phenylbutazon, Salicylate) (= entzündungshemmende Mittel) bzw. nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Diclofenac, Indometazin) eingesetzt, oder interskalenäre Plex usblockaden (= Betäubungen des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) durchgeführt.
    Im akuten Stadium ist das Mittel der Wahl Cortison (z.B. 60 mg Prednisolon/Tag, dann über 2 Wochen rasch absteigend dosieren).
  4. Schu lter-Han d-Synd rom. Nicht selten gehen Schmerzen von einzelnen Gelenken in der Schu lter-Ar m-Region aus und strahlen dann in den gesamten Bereich aus, so daß es schwierig werden kann, den primären Schmerzherd überhaupt zu finden (Debrunner 1988). Typischerweise besteht ein Ruheschmerz mit Schmerzverstärkung bei Belastung. Manchmal treten vegetative Begleitsymptome wie Kälte, Zyanose (= bläuliche Verfärbung) oder Schwitzen auf, so daß die Unterscheidung von einem Morbus Sudeck (= eine spezielle schmerzhafte Organstörung) schwerfällt, besonders wenn Gewebsatrophien (= Gewebeschwund) vorhanden sind.
    Therapeutisch
    ist in der akuten Phase die Gabe von nichtsteroidalen Antirheumatika (z.B. Naproxen) hilfreich. Vor allem beim Vorliegen von raynaud artigen, vegetativen Begleiterscheinungen (z.B. Kälte, bläuliche Verfärbung, Schweißbildung) hat sich die wiederholte Pl exusblockade (= Betäubungen des Armnervengeflechts) sehr bewährt, optimal kontinuierlich mit Katheter. Zur Förderung der Durchblutung ist auch eine oberflächliche Kältebehandlung mittels Kaltluftgenerator empfehlenswert.
    Physiotherapeutische Methoden (= Krankengymnastik und Anwendungen) runden das Behandlungskonzept ab.
  5. Engpaßsyndrome können ebenfalls zu einem Gliederschmerz führen. Das Skalenussyndrom entsteht durch Kompression der Nervenstränge aus den Wurzeln C8-Th1 im Bereich der Skalenuslücke (= Lücke zwischen zwei Mus keln im seitlichen Halsbereich) , hauptsächlich durch eine Halsrippe, aber auch durch Bindegewebsstränge oder höhergradige Muskelverspannungen. Die Beschwerden treten deutlich belastungsabhängig auf, insbesondere bei Zugbelastung (Tragen von Koffern, Taschen usw.). Die dominierenden Schmerzlokalisationen sind ellenseitiger Unterar m und Han d. Im fortgeschrittenen Stadium mit Nervenläsionen (= Nervenstörungen, -schädigungen) treten Lähmungen der kleinen Handmuskeln auf. Durch zusätzliche Verengung der A. subclavia (= Schlagader unter dem Schlüsselbein) in der Skalenuslücke können Mikroembolien (= kleinste Blutgerinnsel) entstehen, die feine Fingergefäße verschließen und eine vaskuläre Symptomatik (= Krankheitszeichen bei Blutgefäßschädigung) hervorrufen (Ostheim 1976).
    Zur Therapie empfiehlt sich bei stark verspannter Skalenusmuskulatur die wiederholte Infiltration mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel, die Vermeidung von schmerzauslösenden oder verstärkenden Belastungen, in hartnäckigen Fällen, insbesondere bei Auftreten eines neurologischen Defizits (= gestörte Nervenfunktion), eine Operation. Der Pl exus brachialis (= das Armnervengeflecht) kann auch zwischen Schlüsselbein und 1. Rippe komprimiert (= eingedrückt) werden. Besonders bei Rückführung der Schu lter unter Zug, wie beim Tragen eines Rucksackes, treten ausstrahlende Schmerzen auf.
    Die Therapie besteht in der Vermeidung von typischen Belastungen. Nur in seltenen Fällen wird man sich bei diesem Gliederschmerz zur operativen Entfernung der 1. Rippe entschließen.
    Der Vollständigkeit halber sei noch das sog. Hyperabduktionssyndrom erwähnt. Dieser Gliederschmerz tritt bei Tätigkeiten auf, die über Scheitelhöhe ausgeübt werden (z.B. Arbeiten an der Zimmerdecke). Die Ursache ist eine Kompression der Ner ven des Ar mplexus zwischen Korakoid (= "Rabenschnabelfortsatz" am oberen Schulterblattrand) und M. pectoralis minor (= kleiner Brustmuskel), nahe dem Ansatz.
    Therapeutisch können Infiltrationen mit einem örtlichen Betäubungsmittel unternommen werden.
  6. Ein vertebrageninduzierter (= von der Wir belsäule ausgehende) Ar m- bzw. Gliederschmerz ist die häufigste Schmerzursache im Armbereich. Er tritt im Rahmen eines unteren Zervikalsyndrom s auf (auch als Zervikobrachialgie, Schulter-Arm-Syndrom oder Nacken-Schulter-Arm-Syndrom bezeichnet). Da die Wurzeln C6-8 und Th1 betroffen sind, können Beschwerden bis in den Kleinfinger ausstrahlen. Richtungsweisende Schmerzen im Nac ken- oder Schulterbereich müssen nicht zwingend vorhanden sein. Streng genommen geht die Zervikobrachialg ie mit einer radikulären Symptomatik (= Krankheitszeichen infolge eines geschädigten Nervs) einher (Debrunner 1988). Die pseudoradikuläre Ausstrahlung (= Schmerzausstrahlung infolge eines scheinbar geschädigten Nervs) in die Ar me fällt noch unter den Begriff "Zervikalsynd rom".
    Vertebragen (= von der Wir belsäule ausgehende) induzierte Ar mschmerzen sprechen am besten auf die kontinuierliche, retrograd hohe Blockade des Pl exus brachialis mit Katheter an (siehe unten).
  7. Relativ häufig tritt ein starker Ar m- bzw. Gliederschmerz nach radikaler Mastektomie (= operative Entfernung der weiblichen Brus t mit Ausräumung der Achselhöhle) auf, bedingt durch Pl exuskompression infolge einer Lymphabflußstörung.
    Der Ar m ist dabei unübersehbar stark ödematös (= wie bei einer krankhaften Flüssigkeitsansammlung) aufgequollen. Zur Förderung des Lymphabflusses wird der Ar m mittels einer Handschlinge an einem Gestell (Bettgalgen, Infusionsständer) mehrere Tage permanent über die Horizontale angehoben. Zur Unterstützung der abschwellenden Maßnahmen dient die Gabe eines milden Diuretikums (= harntreibendes Mittel) sowie regelmäßige manuelle Lymphdrainage. Zusätzlich können interskalenäre Blockaden des Pl exus brachialis durchgeführt werden.
    Nach Teilabschwellung gelingt dann häufig auch die Implantation eines axillären Plexuskatheters, der für weitere 10-14 Tage regelmäßig mehrmals täglich mit 10-15 ml Bupivacain bedient wird (siehe unten). Mit den genannten Therapiemaßnahmen kann in fast allen Fällen eine zufriedenstellende Schmerzsituation herbeigeführt werden.
  8. Ar m- bzw. Gliederschmerz nach Bestrahlung (Plexusneurit is). Heftige Plex usschmerzen (= Schmerzen ausgehend vom Armnervengeflecht) mit neurologischen Defiziten (= Zeichen einer Ner venstörung, -schädigung) können auch Folge einer Röntgenbestrahlung der supraklavikulären (= oberhalb des Schlüsselbeins) oder Achselhöhlenregion bei Brustkrebs sein. In der Regel ist das subkutane Gewebe derb fibrosiert (Strahlenfibrose) (= Verhärtung des Hautuntergewebes). Hinzu kann eine Lymphschwellung des Armes treten. Bei fehlender oder gering ausgeprägter Fibrosierung muß eine Plexuskarzinomatose (= Durchsetzung des Armnervengeflechts mit Tochtergeschwülsten) in Betracht gezogen werden.
    Die Behandlung ist bei diesem Gliederschmerz sehr schwierig. Bei strahlenbedingten krankhaften Hautveränderungen ist das Entzündungsrisiko bei Durchführung von Nervenblockaden stark erhöht.
    Peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel die überwiegend nur im Schmerzbereich wirken) sind meist ungenügend wirksam.
    Nach Thoden (1987) bleiben nur die epidurale (= rückenmarknahe) elektrische Rückenmarksreizung oder die hochzervikale Chordotomie
    (= operative Durchtrennung der Schmerzbahn im oberen Rückenmark).
  9. Epikondylitis rad ialis humer i. Bei dieser relativ häufigen Erkrankung klagen die Patienten über Schmerzen im Bereich des Epicondylus rad ialis humer i (= über dem Ellen bogen außen), die sich bei Faustschluß und kräftiger Dorsalextension (= Beugung in Richtung Handrücken) im Han dgelenk verstärken. Nicht selten strahlen die Schmerzen in Unter- und/oder Oberar m aus, so daß dann der ganze Ar m schmerzt. Regelmäßig besteht ein deutlicher Druckschmerz im Bereich des ellenbogennahen äußeren Unterarmes. Die Ursache des chronischen Entzündungszustandes im Bereich der Sehnenansätze am Epicondylus lateralis humer i ist nicht geklärt; vieles spricht für eine mechanische Auslösung (Tennisarm, Tennisellenbogen).
    Therapeutisch
    kann bei diesem Gliederschmerz ein Versuch mit Infiltrationen mit einem örtlichen Betäubungsmittel, auch mit Kortikoidzusatz, unternommen werden. Dabei muß allerdings ein Kontakt der Kanülenspitze mit der Kn ochenhaut unbedingt vermieden werden, da damit häufig heftigste, anhaltende Schmerzreaktionen ausgelöst werden können. Nicht selten hilft nur eine längerfristige kontinuierliche Pl exus brachialis-Blockade mit Katheter (siehe unten).
    Auch eine Behandlung mit Röntgenstrahlen kann beim Gliederschmerz hilfreich sein (Thomalske 1991). Manchmal ist auch eine deutliche Besserung durch die Iontophorese (= Einbringung eines Arzneimittels durch die Haut mit Hilfe von Gleichstrom) (z.B. mit Diclofenac) zu erzielen. Die Behandlungsmaßnahmen eignen sich in gleicher Weise für die seltenere Epicondylititis ulnaris humeri (Golferellenbogen)
    (= Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogen s).
  10. Zu erwähnen wäre noch das Karpaltunnelsyndrom, das manchmal auch in den ganzen Ar m einstrahlen und damit zu einem Gliederschmerz führen kann.

Ein Gliederschmerz im Bereich der Be ine kann durch unterschiedlichste Erkrankungen hervorgerufen werden. Der besseren Übersicht wegen werden diese in vier Hauptgruppen unterteilt:

  1. Be in- bzw. Gliederschmerz bei dem der Ischias nerv (N. ischiadicus) einschließlich seiner Endäste beteiligt ist, bzw. die Schmerzreizleitung ausschließlich oder überwiegend über diesen Nerv erfolgt.
  2. Be in- bzw. Gliederschmerz bei dem der vordere Oberschenkelnerv (N. femoralis) einschließlich seiner Endäste beteiligt ist, bzw. die Schmerzreizleitung ausschließlich oder überwiegend über diesen Nerv erfolgt.
  3. Be in- bzw. Gliederschmerz bei dem (andere) Ner ven des Pl exus lumbalis (= Nervengeflecht dessen Wurzeln dem Rückenmark der mehr oberen Lendenwir belsäule entstammen) beteiligt sind, bzw. die Schmerzreizleitung über diese Ner ven erfolgt.
  4. Be in- bzw. Gliederschmerz der von den Blutgefäßen (Adern, Schlagadern) ausgeht.

ad1: Der Begriff "Ischialgie" beschreibt einen Be in- bzw. Gliederschmerz, der im Verlauf des Isch ias-Nervs (Gesä ß, rückwärtiger Ober-, äußerer und hinterer Unterschen kel sowie Fu ß bis zur Großzehe vor) auftritt, wobei die Schmerzen aber nicht den kompletten Nervenverlauf umfassen müssen, sondern es können je nach Ursache auch einzelne Abschnitte betroffen sein.
Eine der häufigsten Schmerzursachen für einen Be in- bzw. Gliederschmerz im Ausbreitungsgebiet des N. ischiadicus ist der periphere Projektionsschmerz (= mehr oberflächliche Schmerzausstrahlung bzw. Schmerzverlagerung) bei Affektionen (= Störungen, Erkrankungen) der spinalen (= das Rückenmark betreffenden) Ner venwurzeln L4-S3. Eine Ischialg ie aufgrund dieser Schmerzursache geht meist, aber nicht zwingend, mit Schmerzen im Lumbalbereich (Lumbalgie) einher, in diesem Falle lautet die Diagnose dann Lumboischialgie.
Die echte Ischiasneuralgie (Ischiadikusneuralg ie), als eigenständiges Krankheitsbild, gekennzeichnet durch einen attackenförmigen Be in- bzw. Gliederschmerz von wenigen Sekunden Dauer entlang des Nervenverlaufs ist selten.
Nicht selten entstehen Ischiasschmerzen infolge von Verletzungen oder iatrogen (= durch ärztliche Einwirkung verursacht) durch Operationen im Bereich der Hüf te und des Oberschenkels. Meist bestehen dann Dauerschmerzen bzw. länger anhaltende Schmerzepisoden. Be inschmerzen können auch durch falsch gesetzte Spritzen ins Gesä ß entstehen. Gefürchtet sind dabei besonders Rheumamittel. Das Schmerzbild ist dem einer Kausalgie (= typische Schmerzen bei einer Nervenverletzung) ähnlich (bren nender Schmerzcharakter mit schmerzhaften Empfindungsstörungen).
Eine schmerzhafte Neurit is (Nervenentzündung) des Isch ias kann durch die Zuckerkrankheit (auch im Rahmen einer Polyneuropathie) oder auch durch Alkoholmißbrauch entstehen. Die länger anhaltenden Schmerzen treten bei dieser Ursache meist beidseitig auf.
Auch Vergiftungen mit einem Schwermetall (z.B. Thallium, Blei, DDT) können im Sinne einer Neuritis zu Ischialg ie und damit zu Be inschmerzen führen. Typisch sind dabei motorische und sensible (= die Muskelkraft und die Empfindung betreffende) Störungen oder gar Ausfälle.

Isolierte Schmerzen im Bereich der Unterschenkelaußenseite und des Fußrückens können auf ein Fibulaköpfchen-Syndrom zurückzuführen sein. Am Fibulaköpfchen (= Köpfchen des Wadenbeins) liegt der N. peroneus communis (= ein Nervenast des Is chias) unmittelbar am Kn ochen und kann dort leicht komprimiert werden, so z.B. durch einen Gipsverband, oder durch Brüche und Verrenkung in diesem Bereich. Für ein Fibulaköpfchensynd rom sind nach unten ausstrahlende Schmerzen bei Druck auf den Nerv hinter dem Köpfchen des Wadenbeins typisch.
Das subakute oder chronische Tibialis anterior-Syndrom, ebenfalls ein sog. Kompressionssynd rom, geht mit einem Be in- bzw. Gliederschmerz an der Schienbeinvorderseite einher, verursacht durch eine Ner venkompression in der Tibialisloge (= die sog. Streckerloge, ein Raum mit geringer Ausdehnungsmöglichkeit). Das akute Tib ialis anter ior-Syndrom ist ein Notfall, der sofort operativ behandelt werden muß (Druckentlastung durch Spaltung der bindegewebigen Muskelumhüllung).
Das vordere Tarsaltunnel-Syndrom entsteht am Fu ßrücken durch Kompression des N. peroneus profundus (= Nervenast des Is chias) unter dem Ligamentum cruciatum (= gekreuztes Bindegewebsband), so z.B. durch zu enges Schuhwerk. Druck auf das Ligamentum verstärkt die Beschwerden am Fu ßrücken.
Das hintere Tarsaltunnelsynd rom, ebenfalls ein sog. Kompressionssynd rom, entsteht durch eine Kompression zwischen Innenknöchel und Retinaculum flexorum (= Halteband für die Beugemuskulatur zwischen Innenknöchel und Fersenbein). Typischerweise treten Schmerzen und Gefühlsstörungen an der Fu ßsohle, vor allem beim Gehen und nachts auf.
Die Morton-Neuralgie, eine sog. Metatarsalg ie (= Mittelfu ßschmerz) ist auf eine Neurombildung (= gutartige Nervenauftreibung) durch Druck auf die Nn. digitales II-IV (= Ner ven, die die Zehen versorgen) zurückzuführen. Die Patienten klagen über einen Brennschmerz im Bereich der vorderen Fu ßsohle. Der bren nende Schmerzcharakter gibt Anlaß zur Verwechslung mit einer Sympathalgie
(= Schmerzen aufgrund einer Reizung des unwillkürlichen Nervensystems).

ad.2: Irritationen und Schädigungen des vorderen Oberschenkelnervs (N. femoralis) können entsprechend dem ausgedehnten Versorgungsbereich zu einem vielfältigen Be in- bzw. Gliederschmerz führen.
Der Nerv versorgt sensorisch (= die Empfindlichkeit betreffend) die Vorderseite und die mehr untere Innenseite des Oberschenkels sowie die mittlere Knieregion und streifenförmig die Haut an der inneren und vorderen Fläche des Unterschenkels bis zum inneren Fußrand ((N. saphenus (= Endast des N. femoralis)). Im Verlauf des vorderen Oberschenkelnervs (N. femoralis) gibt es aber bevorzugte typische Irritations- oder Schädigungslokalisationen:

- Ner venwurzeln L1-L4 (= 1. bis 4. Lendenwirbelsäulensegment);
- im Bec ken: Kompression durch Tumoren des Beckens und des
weiblichen Genitale, Operationen wie Herniotomie (= Leis tenbruch-
Operation), Hysterektomie (= Entfernung der Gebärmutter), TEP
(= künstliches Hüftgelen k) und aortofemoraler Bypass (= künstliche
Gefäßverbindung zwischen der Ba uch- und Oberschenkelschlagader), darüber
hinaus Aneurysmen (= krankhafte Wandausbuchtungen einer Schlagader),
Einblutungen infolge einer Behandlung mit Marcumar (= ein Mittel zur
Blutverdünnung) und Bestrahlungsfolgen;
- Bereich des Ligamentum inguinale (= Leis tenband): Kompression durch
eine Schenkelhernie (= Leis tenbruch);
- Bereich des Kniegelenks: Ergußbildung.

ad3: Die Meralgia paraesthetica ist eine isolierte Neurit is (= Ner venentzündung) des Nervus cutaneus femoris lateralis und äußert sich in brennenden Schmerzen und Empfindungsstörungen an der Oberschenkelaußenseite sowie Druckschmerz einwärts vom vorderen oberen Darmbeinstachel.
Ursachen
: mechanisch (Kompressionssynd rom, bedingt durch Druck unter dem Leistenband oder auch Druck- oder Zugeffekte im Nervenverlauf, v.a. am Austrittsort aus dem Bec ken), toxisch (= durch Gifteinwirkung verursacht) z.B. bei Alkoholismus, infektiös (= durch Ansteckung verursacht) z.B. bei Syphilis.
Be inschmerzen in Folge einer Störung oder Schädigung des Nervus obturatorius: Entsprechend dem Versorgungsgebiet treten Schmerzen und Paräst hesien (= schmerzhafte Mißempfindungen) im Bereich des mehr unteren und inneren Oberschenkels mit Ausstrahlung ins innere und untere Kniegelen k auf. In seinem relativ achsennahen Verlauf kann der Nerv durch benachbarte Prozesse geschädigt werden: z.B. Bandscheibenvorfal l, Störungen im Bereich des M. psoas (= Mus kel im Bec ken) und Prozesse im kleinen Bec ken. Auch bei Beckenbrüchen ist der Nerv gefährdet.
Das seltene Wartenberg-Syndrom ist durch einen wandernden Gliederschmerz gekennzeichnet, der im Versorgungsbereich des N. obturatorius (Oberschenkelinnenseite), N. cutaneus femoris lateralis (Oberschenkelaußenseite) und N. femoralis (vorderer Ober- sowie innerer und vorderer Unterschen kel) auftritt. Typischerweise kommen Beschwerden in der oberen Extrem ität (bevorzugt Schu lter und Han d) hinzu.
Die Ätiologie (= Ursache) und Pathogenese (= Entstehung / Entwicklung) dieser wandernden Polyneuritis (= En tzündung mehrerer Ner ven) sind unbekannt.

ad4: Be in- bzw. Gliederschmerz bei venösen (= die Blutadern betreffende) Erkrankungen:
Häufigste Störung des venösen Systems ist die chronisch venöse Insuf fizienz auf der Grundlage einer venösen Abflußstörung. Diese Stauung äußert sich in tagsüber zunehmendem Schwere- und Schmerzgefühl sowie in Beinschwellungen. Eine venöse Insuf fizienz liegt vor, wenn der Knöchelumfang morgens und abends um mehr als 1,5 cm differiert.
Bei der Untersuchung fallen eine Varikosis (= dichtes Geflecht oberflächlicher Krampfadern), eine livide (= bläuliche, fahle) Verfärbung der Haut, Ödem (= Schwellung durch Flüssigkeitsansammlung) und Pigmentstörungen auf. Bei weiterem Fortschreiten der Erkrankung kann es zu ausgedehnten trophischen (= mit Zeichen einer Mangelernährung einhergehenden) Störungen mit Ulcera cruris (= Beingeschwür, offenes Bein) kommen, begleitet von hartnäckigen Venenschmerzen.
Häufiger verbleibt nach einer akuten Thrombophlebit is (= Venenentzündung mit Verschluß durch Blutgerinnsel) oder Thrombose (= Bildung von Blutgerinnsel) ein hartnäckiger und oft auch heftiger
Be in- bzw. Gliederschmerz aufgrund eines sog. postthrombotischen Syndroms (= Krankheitszeichen die auf eine vorangegangene Thrombose zurückzuführen sind).

Bein- bzw. chronischer Gliederschmerz bei arteriellen (= die Schlagadern betreffende) Erkrankungen:
Arterielle Durchblutungsstörungen
können sowohl organisch (= als Erkrankung die Blutgefäße selbst betreffend) als auch funktionell-vasospastisch (= überschießende Gefäßverengung) bedingt sein. Dabei sind fließende Übergänge wie beim Ergot ismus (siehe unten) oder dem Morbus Raynaud (siehe unten) möglich.
Die Symptome (= Krankheitszeichen) der organischen arteriellen Durchblutungsstörungen hängen vom Ausmaß der Stenosierung (= Verengung) ab, aber auch davon, wie rasch sich diese entwickelt, denn bei langsamem Fortschreiten können sich Kollateralen (= Gefäße, die eine Verengung umgehen) bilden. Deshalb reicht die klinische Symptomatik (= Krankheitszeichen) von einer unbestimmten Mißempfindung in den Beinen über die klassische Claudicatio intermittens (= Schaufensterkrankheit) bis zu heftigsten akuten Schmerzen, verursacht durch eine Embolie (= plötzlicher Gefäßverschluß). Ein bei Belastung zunehmender
Be in- bzw. Gliederschmerz, Blässe und Untertemperatur der Haut, abgeschwächte oder fehlende periphere Pulse und Neigung zu Nekrosen (= abgestorbenes Gewebe) (hpts. ße oder Hä nde) sind die charakteristischen Merkmale.
Patienten mit einem Be in- bzw. Gliederschmerz bei obliterierender Atherosklerose (= zum Verschluß führende Verhärtung des Gefäßbindegewebes) weisen in der Regel die bekannten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Nikotinmißbrauch, hoher Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen auf.
Manifestiert sich die Krankheit in relativ jugendlichem Alter, vor allem bei Männern, muß bei exzessivem Nikotinmißbrauch an eine Thrombangit is obliterans (= Blutgefäßwandentzündung, die zum Verschluß führt) gedacht werden.
Ätiologisch (= bezüglich einer Ursache) wird eine Autoimmunreaktion ( = gegen körpereigene Stoffe gerichtete Antikörper) vermutet. Die arterielle Durchblutungsstörung bei Diabetikern ist meist mit einer Polyneuropathie kombiniert, die sehr häufig im Vordergrund steht. Sie äußert sich zunächst in Kribbelparästhesien (= kribbelnde, z.T. auch schmerzhafte Mißempfindungen), später in einem brennenden
Bein- bzw. Gliederschmerz, oft sockenförmig und schließlich in Hypäst hesie (= herabgesetzte Empfindlichkeit).
Beim Morbus Raynaud bzw. dem Raynaud-syndrom, das häufig bei Kollagenosen (z.B. Sklerodermie) (= verhärtende Bindegewebsveränderungen) auftritt, führen Gefäßspasmen zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr einzelner Glieder und damit zu Schmerzen, bevorzugt in den Be inen, in schweren Fällen sind auch Nekrosen (= Absterben von Körpergewebe) möglich.
Ein Gliederschmerz in den Ar men und/oder Be inen wie bei der arteriellen Verschlußkrankheit, die bei üblicherweise fehlenden Risikofaktoren vor allem von Frauen im jüngeren oder mittleren Alter angegeben werden, kann Folge eines Ergot ismus (= Vergiftung durch "Mutterkorn") sein. Deshalb ist die Frage nach einer Migräne vorgeschichte mit Mißbrauch von Ergotamin (= ein Mittel gegen den akuten Migräneschmerz) zwingend.

Behandlung bei Gliederschmerz (chronischer):
Je nach Schmerzursache gibt es oft eine auf die Grundkrankheit abgestimmte Therapie (z.B. optimierte Zuckereinstellung bei diabetischer Polyneuropath ie). Häufiger reicht diese aber nicht aus, um das Hauptproblem, nämlich die Schmerzen, zu beherrschen. Dann sind allgemeine schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt, die oft bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen sind, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten. Ein anhaltender, chronischer (= länger als sechs Monate anhaltender) Be in- bzw. Gliederschmerz erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren. Die auch für einen Gliederschmerz üblichen Therapieverfahren der Speziellen Schmerztherapie sind:

  1. Information über die Erkrankung
  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika (= Schmerzmittel), Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskel entspannung), schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockade n, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
  4. Akupunktur (Schmerzakupunktur)
  5. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)
  6. Chirotherapie, wenn die Schmerzen von der Wir belsäule ausgehen
  7. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)
  8. Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen) bei Funktionseinbußen

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an schmerzleitende Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung, auf entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, hilfreich ist.

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G Gaumenschmerzen, Ganzkörperschmerz, Gelenksarthrose (http://www.gelenksarthrose.eu), Gelenkschmerzen (www.gelenkschmerzen.org), Gelenksarthrosen, Gelenkentzündung (www.gelenkentzuendung.com), Gelenkerkrankungen (www.gelenk-erkrankungen.de), Gelenkinfektionen, Gelenksentzündungen (www.xn--gelenksentzndungen-w6b.de), Gelenksschmerzen (www.gelenksschmerzen.de), Gelenksverschleiß, Gelenkkrankheit, Gelenkserkrankungen (www.gelenkserkrankungen.de), Genickschmerzen (1), Genickschmerzen (2), Genitalschmerzen, Gesäßschmerzen, Gesichtsneuralgie (www.gesichtsneuralgie.de), Gesichtsschmerzen (www.gesichtsschmerzen.de),Gicht-Arthritis, Golferellenbogen, Gliedschmerzen, Gliederschmerzen (www.gliederschmerzen.ch), Golferellbogen (www.golferellbogen.de), Grazilis-Syndrom (www.grazilis-syndrom.de)
H Halswirbelsäulenschmerzen, Halbseitenkopfschmerzen, Halbseitenschmerzen, Handgelenkarthrose, Handgelenksschmerz, Handschmerz, Halswirbelschmerzen, Handgelenkschmerzen, Harnblasenschmerzen, Herpes-zoster-Neuralgie, Hinterkopfschmerzen, Hodenschmerzen (http://www.hodenschmerzen.de), Hüftgelenksarthrose, Hüftschmerz (www.xn--hftschmerz-9db.com), Hüftgelenkschmerzen, Hüftschmerzen, Hüftgelenkschmerz (www.hueftgelenkschmerz.de), HWS-Schmerzen
I
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K
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L Leibschmerzen,Leistenschmerzen, Lendenschmerzen, Lendenwirbelsäulenschmerzen, Lendenwirbelschmerzen, Lippenbrennen, Lippenschmerzen, Logensyndrom (www.logensyndrom.de), Lumbalschmerzen, Lumboischalgie (http://www.lumboischalgie.de) (1), Lumboischialgie (http://www.lumboischialgie.info) (2), Lunatumnekrose (www.lunatumnekrose.com), Lymphstau (www.lymphstau.com), LWS-Schmerzen
M
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N
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O Oberarmschmerzen,Oberbauchschmerzen, Oberkieferschmerzen, Odontalgie, Osteochondropathie, Ohrenschmerz, Oberschenkelschmerzen, Ohrschmerzen (www.ohrschmerzen.de), Organschmerzen, Orofaziale Schmerzen, Osteoarthropathie, Osteodynie, Osteomyelitis (www.osteomyelitis.biz), Ostitis (www.ostitis.com), Otalgie, Otalgie, Osteoarthrosis, Osteoporose, Osteoporoseschmerzen (www.osteoporoseschmerzen.de)
P Patellaschmerzen, Pelvipathiesyndrom, Penisschmerzen, Periarthropathia humeroscapularis, Periarthropathie (www.periarthropathie.de), Periostitis (http://www.periostitis.info), plantare Fasziitis, primäre Kopfschmerzen, perineale Schmerzen, Polyarthralgie, Polyneuropathie, Polyneuropathie-Syndrom, Polyneuropathische Schmerzen, Postpunktionelle Kopfschmerzen, posttraumatischer Kopfschmerz (http://www.posttraumatischer-kopfschmerz.eu), postzosterische Neuralgie, Post-zoster-Neuralgie, Polymyalgie (www.polymyalgie.com), Projektionsschmerzen, Pseudoradikuläres Syndrom,
Q
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